Themenfonds: Künstliche Intelligenz und Uran liegen im Trend

Börsengehandelte Fonds (ETFs) mit Themen wie Cybersecurity und E-Mobilität verzeichneten seit Jahresbeginn Abflüsse. Doch gab es auch Themen, die Anlegergelder anzogen.

E-Mobilität als Investmentthema war zuletzt weniger gefragt, Robotik aber mehr.
E-Mobilität als Investmentthema war zuletzt weniger gefragt, Robotik aber mehr.   Reuters/Carlo Allegri
Beate Lammer

25.08.2024 um 12:22 von Beate Lammer Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.

Anleger haben die Wahl: Sie können auf ganze Aktienmärkte setzen, etwa mit Investments in den globalen MSCI World Index oder den US-amerikanischen S&P 500. Sie können gezielt einzelne Aktien wie Nvidia, Microsoft oder Apple aussuchen – oder auf Themen wie Robotik, künstliche Intelligenz, Energieeffizienz, Städte der Zukunft oder alternde Bevölkerung setzen. Für all diese Themen gibt es einschlägige Themen-ETFs – börsengehandelte Fonds, die Aktien enthalten, mit denen man das jeweilige Thema abdecken kann.

Die größten Positionen im KI-ETF Ark Artificial Intelligence & Robotics sind etwa der E-Autobauer Tesla, das Datenanalyseunternehmen Palantir oder Teradyne, ein Hersteller von Testsystemen für Mikroprozessoren. Im Alterungs-ETF iShares Ageing Population finden sich Biotechfirmen wie Sarepta Therapeutics, Ionis Pharmaceuticals oder Argenx. Die größten Positionen im Lyxor MSCI Smart Cities ETF, der auf Städte der Zukunft fokussiert ist, sind etwa der Kühlgeräte-Hersteller Carrier Global oder das Cloud-Sicherheitsunternehmen Qualys. Im Cyber-Security-ETF von First Trust Nasdaq finden sich etwa Crowdstrike, dessen Update jüngst zu weltweiten Serverausfällen geführt hat, Broadcom und Palo Alto.

Anleger investieren lieber breiter. Im ersten Halbjahr verzeichneten solche Themenfonds in Europa allerdings Abflüsse, die Anleger investierten lieber breiter. Insgesamt gab es Nettoabflüsse aus in Europa zugelassenen Themenfonds in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar, wie aus einer Erhebung von Ark Invest Europe auf Basis von Daten von etfbook.com hervorgeht.

Das Thema Cybersicherheit lockte kaum Anleger hinter dem Ofen hervor: Umgerechnet 604 Millionen Dollar haben europäische Anleger aus solchen Fonds abgezogen. Die Experten führen das auf die Sorge zurück, dass Firmen sich in konjunkturell schwierigen Zeiten mit Investitionen in Cybersecurity zurückhalten. „Trotz der entscheidenden Rolle dieses Themas in der heutigen digitalen Welt scheinen die Anleger vorsichtig zu sein, möglicherweise aufgrund von Bedenken zur Konjunkturentwicklung, die sich auf das Umsatzwachstum von Unternehmen dieses Sektors auswirken könnte.“

Von Abflüssen in Höhe von 497 Millionen bzw. 468 Millionen Dollar betroffen waren die Bereiche Elektrofahrzeuge und Batterien sowie saubere Energien. „Diese Abflüsse deuten auf eine Neubewertung der Wachstumsaussichten angesichts der Marktvolatilität und der spezifischen Herausforderungen dieser Branchen hin“, hieß es.

Auch bei den Themen Digitalisierung und Alternde Bevölkerung kam es zu Abflüssen von 278 bzw. 192 Mio. Dollar. Die Experten führen das auf die Langfristigkeit solcher Themen zurück. Möglicherweise verlagerten sich die Prioritäten der Anleger mehr in Richtung solcher Investitionen, die ihnen unmittelbarere Wachstumschancen bieten.

Robotik gefragt. Die stärksten Zuflüsse (962 Millionen Dollar) gab es hingegen bei Robotik-, Automatisierungs- und KI-ETFs. Die Gesamtzuflüsse in diesem Themenbereich seien jedoch im Jahresvergleich leicht zurückgegangen. Möglicherweise würden die Investoren ihre Investitionsschwerpunkte jetzt in defensivere Marktbereiche verlagern, da das Thema schon so gut gelaufen sei.

Das Thema „Smart Grid“ (intelligente Stromnetze und Energieeffizienz) zog Kapital in Höhe von 282 Mio. Dollar an. Das Thema Nachhaltige Infrastruktur lockte seit Jahresbeginn Anlegergelder in Höhe von 100 Millionen Dollar an, auch die Bereiche Smart Cities (80 Millionen Dollar), Uran (78 Millionen Dollar) und Innovationen im Gesundheitswesen (67 Millionen Dollar) schienen den Anlegern attraktiv zu sein.

Die neue Begeisterung für das Uran-Thema weise auf ein wachsendes Interesse an Kernenergie als Teil einer erweiterten Energiewende-Strategie hin. Große Positionen in Uran-Fonds sind etwa die kanadischen Bergbauunternehmen Cameco und NexGen Energy.

Vorsicht bei E-Mobilität. Allein im Juli zogen die Anleger 592 Mio. Dollar aus Themen-ETFs ab, am schlimmsten betroffen waren E-Fahrzeuge und Batterien, sauberes Wasser, Cybersicherheit, saubere Energie und Kreislaufwirtschaft. Dass neben der Cybersicherheit vor allem Umweltthemen so wenig zogen, führen die Experten ebenfalls darauf zurück, dass die Anleger möglicherweise das unmittelbare Wachstumspotenzial neu bewerten. Bei den ­E-Fahrzeugen übten sich die Investoren „in Zeiten anhaltender Herausforderungen im Elektrofahrzeugsektor, einschließlich den Problemen dieses Sektors in der Lieferkette und Marktvolatilität“ in Vorsicht.

Zuflüsse gab es im Juli hingegen in den Bereichen Innovationen im Gesundheitswesen, Smart Grid, Infrastruktur, Uran und Holzwirtschaft.